Editorial

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Psychoterror im Lachensaal


Mit «Einer flog über das Kuckucksnest» sorgt das Ensemble des Gymnasiums WMS FMS Thun für Lachmomente.

 

Text Christina Burghagen («Thuner Tagblatt» vom 4. März 2019)

Fotos Michael Meier

 

«Jeden Tag kippen sie die Welt zur Seite, und wer lose ist, fällt runter», wispert Häuptling Bromden (Elio Staub) im diffusen Licht. Längst hat er es aufgegeben, mit jemandem in der Psychiatrie zu reden, aber nachts spricht er mit seinem toten Vater.
Randle P. McMurphy (Justin Renker) wird eingewiesen. Er setzte alles daran, vor Gericht als Psychopath zu gelten, um dem Arbeitslager zu entgehen. Den Aufenthalt in der «Klapse» stellt er sich vergleichsweise gemütlich vor. Als Maulheld und Zocker wirbelt er den Mikrokosmos seiner Mitpatienten (Vincent Gossweiler, Michael von Dach, Andrea Qualizza, Saravika Shanmugam, Anna Reichen, Lena Maria Carnal) durcheinander. McMurphy erwartet Spass, Party und Mitbestimmung, doch merkt er schnell, wie eingeschüchtert seine Leidensgenossen vor Schwester Ratched (Anna Räss) kuschen.
Mit schneidender Stimme und Machtgehabe hält die Oberpflegerin ihre Schutzbefohlenen in Schach und verbreitet Angst. Bald nennt der Kleinkriminelle sie nur noch «Rat-Shit», nach deren Pfeife nicht nur das Personal (Sarah Waber, Salome Gerber, Julia Kunz, Lara Thurnherr, Jennifer Gast) tanzt. Als McMurphy eine feuchtfröhliche Party organisiert, zu der er zwei aufreizende Damen (Bianca Jordan, Smilla Schär) einlädt, folgen grau­same Konsequenzen.
Die Inszenierung «Einer flog über das Kuckucksnest» des Gymnasiums WMS FMS Thun unter der Leitung von Samuel Linder und Erich Binggeli kommt wunderbar wie in einem Guss daher. Die Bezeichnung Schülertheater würde der zweistündigen Aufführung mit Musik in keiner Weise gerecht werden.
Ein energiegeladener McMurphy oder ein stotternder Billy, um nur zwei der brillant gespielten Patienten und Patientinnen zu nennen, stehen für das feinsinnige Spiel aller Akteure. Mit der Ausstrahlung eines elektrischen Brotmessers beeindruckt Anna Räss als Schwester Ratched, und der fast fröhliche Sadismus der Pflegerinnen ­beunruhigt subtil. Die Traum­sequenzen mit eindringlichen Monologen von Häuptling Bromden lassen den Atem anhalten. Herrlich verrucht stöckeln die Partymäuse Candy und Sandra über die Bühne.
Weichspülerische Ruhe schenkt die Musik der Band ­(Robin Rindlisbacher, Keyboard, Thomas Tschudin, Geige, Olivia Völkel, Gitarre, Gian Trachsel, Schlagzeug, Zelal Cengiz, Pauline Gonin, Gabriela Sterchi, Gesang) mit Elvis-Songs. Dazu bietet der Lachensaal im KKThun mit seinen Metallwänden eine durchaus klinische Atmosphäre, die zu einem Irrenhaus mutiert, aus dem niemand entkommt.

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Psychoterror im Lachensaal


Mit «Einer flog über das Kuckucksnest» sorgt das Ensemble des Gymnasiums WMS FMS Thun für Lachmomente.

 

Text Christina Burghagen («Thuner Tagblatt» vom 4. März 2019)

Fotos Michael Meier

 

«Jeden Tag kippen sie die Welt zur Seite, und wer lose ist, fällt runter», wispert Häuptling Bromden (Elio Staub) im diffusen Licht. Längst hat er es aufgegeben, mit jemandem in der Psychiatrie zu reden, aber nachts spricht er mit seinem toten Vater.
Randle P. McMurphy (Justin Renker) wird eingewiesen. Er setzte alles daran, vor Gericht als Psychopath zu gelten, um dem Arbeitslager zu entgehen. Den Aufenthalt in der «Klapse» stellt er sich vergleichsweise gemütlich vor. Als Maulheld und Zocker wirbelt er den Mikrokosmos seiner Mitpatienten (Vincent Gossweiler, Michael von Dach, Andrea Qualizza, Saravika Shanmugam, Anna Reichen, Lena Maria Carnal) durcheinander. McMurphy erwartet Spass, Party und Mitbestimmung, doch merkt er schnell, wie eingeschüchtert seine Leidensgenossen vor Schwester Ratched (Anna Räss) kuschen.
Mit schneidender Stimme und Machtgehabe hält die Oberpflegerin ihre Schutzbefohlenen in Schach und verbreitet Angst. Bald nennt der Kleinkriminelle sie nur noch «Rat-Shit», nach deren Pfeife nicht nur das Personal (Sarah Waber, Salome Gerber, Julia Kunz, Lara Thurnherr, Jennifer Gast) tanzt. Als McMurphy eine feuchtfröhliche Party organisiert, zu der er zwei aufreizende Damen (Bianca Jordan, Smilla Schär) einlädt, folgen grau­same Konsequenzen.
Die Inszenierung «Einer flog über das Kuckucksnest» des Gymnasiums WMS FMS Thun unter der Leitung von Samuel Linder und Erich Binggeli kommt wunderbar wie in einem Guss daher. Die Bezeichnung Schülertheater würde der zweistündigen Aufführung mit Musik in keiner Weise gerecht werden.
Ein energiegeladener McMurphy oder ein stotternder Billy, um nur zwei der brillant gespielten Patienten und Patientinnen zu nennen, stehen für das feinsinnige Spiel aller Akteure. Mit der Ausstrahlung eines elektrischen Brotmessers beeindruckt Anna Räss als Schwester Ratched, und der fast fröhliche Sadismus der Pflegerinnen ­beunruhigt subtil. Die Traum­sequenzen mit eindringlichen Monologen von Häuptling Bromden lassen den Atem anhalten. Herrlich verrucht stöckeln die Partymäuse Candy und Sandra über die Bühne.
Weichspülerische Ruhe schenkt die Musik der Band ­(Robin Rindlisbacher, Keyboard, Thomas Tschudin, Geige, Olivia Völkel, Gitarre, Gian Trachsel, Schlagzeug, Zelal Cengiz, Pauline Gonin, Gabriela Sterchi, Gesang) mit Elvis-Songs. Dazu bietet der Lachensaal im KKThun mit seinen Metallwänden eine durchaus klinische Atmosphäre, die zu einem Irrenhaus mutiert, aus dem niemand entkommt.

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